12 Thesen für ein Studium der Zukunft

11. Mai 2011

Wir sind überzeugt, dass Bildung für die Gesellschaft und für die einzelnen Individuen eine zentrale Rolle spielt. Der Weg von Menschen, die Gestaltung ihres Lebens und ihre Teilhabe an Gesellschaft werden nicht mit der Geburt festgelegt, sondern entscheiden sich durch das Wissen und die Entwicklung ihrer Persönlichkeit im Laufe eines Bildungsprozesses. Dieser Prozess beginnt nicht in einem bestimmten Alter und in einer bestimmten Einrichtung und endet folglich nicht mit dem Erreichen eines bestimmten Alters und dem Verlassen einer Einrichtung. Er findet nicht nur in Institutionen statt, sondern auch in sozialen Zusammenhängen – in der Gesellschaft. Bildung dauert ein Leben lang und bedeutet mehr als das Sammeln von Zertifikaten oder das Absolvieren von Prüfungen. Jeder Mensch hat das Recht auf Bildung und ein Gemeinwesen ist in der Verantwortung, dieses Recht allen vollkommen und ohne Ausnahme einzuräumen. Bildung in diesem Sinne erkennt an, dass es verschiedene Wege gibt, auf denen man sich bildet, dass es immer möglich sein muss, Zugang zu Bildungseinrichtungen zu erhalten und dass Menschen im Bildungsprozess fortwährend unterstützt werden müssen. Weiterlesen »

These 1: Kritische Wissenschaft wird durch die Autonomie von den Hochschulen und ihren AkteurInnen gewährleistet. Sie ist eingebettet in demokratisch organisierte Hochschulen und lebt vom Austausch mit und der Verankerung in die Gesellschaft.

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These 2: Eine demokratische Hochschule gibt allen ihren Mitgliedern die gleichen Rechte auf Teilhabe und Mitbestimmung. Die Ausrichtung von Wissenschaft und Hochschule ist eine politische Auseinandersetzung. Homogene Interessen bei den Statusgruppen vorauszusetzen, wird dem nicht gerecht. Es gibt daher keine Trennung in verschiedene Statusgruppen.

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These 3: Hochschulen sind nicht nur Orte des Lernens und der Wissenschaft, sondern Lebensraum für alle Mitglieder.

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These 4: Eine soziale Hochschule ist offen für alle Menschen. Sie berücksichtigt die Biografien ihrer Mitglieder, indem sie Studium und wissenschaftliche Betätigung mit unterschiedlichen Lebenslagen vereinbar macht. Mitglied einer Hochschule ist, wer sich dazu entscheidet.

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These 5: Studierende gestalten ihr Studium selbst und planen es mit selbst gewählten Schwerpunkten und Lerninhalten. Zu Studienbeginn werden grundlegende Fähigkeiten vermittelt, um alle Studierenden zur freien Studiengestaltung zu befähigen. Sie bekommen dabei Beratungs- und Unterstützungsangebote. Eine Einteilung in feste Studiengänge findet nicht statt.

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These 6: Studium ist nicht auf einen bestimmten Lebensabschnitt oder einen festgelegten Ort begrenzt. Studium ist ein andauernder Prozess, der mit allen Lebensentwürfen und –biografien vereinbar ist.

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These 7: Studium befähigt zur kritischen Reflexion und vermittelt berufspraktische Kompetenzen. Akademische und berufliche Bildung vermitteln verschiedenartige aber gleichwertige Fähigkeiten- und Fertigkeiten. Die Durchlässigkeit aller Bildungsbereiche ist gewährleistet.

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These 8: Studium ist sowohl persönlicher Mehrwert und Bildung des Individuums wie es gesellschaftlichen Fortschritt bedeutet. Im Vordergrund steht dabei die Befähigung zur kritischen Analyse und Weiterentwicklung gesellschaftlicher Lebens-, Arbeits- und Produktionsweisen.

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These 9: Dozierende und Studierende begegnen sich auf Augenhöhe, wobei beide Gruppen sowohl die Rolle der Lehrenden als auch die der Lernenden übernehmen.

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These 10: Forschung und Lehre bilden eine Einheit. Sie befruchten, ergänzen und beeinflussen einander wechselseitig.

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These 11: Die studierendenzentrierte Lehre im Studium ist methodisch abwechslungsreich, ihr Schwerpunkt liegt im problemorientierten Lernen, das vor allem in transdisziplinären Projekten stattfindet.

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These 12: Wissenschaftliche Qualifizierung kann nicht abgeprüft werden, sondern bietet Gelegenheit eine Fragestellung aus unterschiedlichen Perspektiven zu problematisieren und Lösungsansätze zu entwickeln. Da Noten dieser Sichtweise nicht gerecht werden, erhalten stattdessen sowohl Studierende als auch Dozierende individuelle Rückmeldungen zu ihrer Entwicklung.

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