Zwischen Über- oder Unterbewertung? – Werte an der Hochschule

19. Juli 2010

von Tatjana Zieher

Die Frage nach Werten an der Hochschule ist von der übergeordneten Frage „wie wollen wir in einer Gesellschaft zusammenleben?“ abgeleitet. Werte definieren Sinn und Bedeutung von Gesellschaften. Sie stellen Vorstellungen über Beziehungen von Individuen, Gruppen und Gesellschaften dar. Die Funktion der Werte ist also die Bereitstellung von Formen des guten und geordneten Zusammenlebens der Menschen. Es gibt keinen wertefreien Raum, da Menschen als Träger von Werten diese nicht ablegen können. So ist die Hochschule ein Raum von Werten. Wie das Beispiel der 68er zeigt, ist die Hochschule sogar ein sehr wichtiger Raum von Werten innerhalb der Gesellschaft. Sie ist nämlich der Raum, der die Verständigungsfähigkeit von Demokratie gewährleisten soll. Vor ihr kann ein Wertewandel ausgehen, der die Gesellschaft ergreift. Weiterlesen »

Der Nachwuchs ist schon längst erwachsen – Zur aktuellen Debatte um die Zukunft der Promotion

7. Juni 2010

von Alexandra Ortmann

In den vergangenen Jahren ist endlich auch die Promotionsphase in das Visier der Hochschulreformdebatten geraten. Die Probleme, die es zu beheben gilt, reichen von fehlenden Betreuungs- und Qualifikationsstrukturen über mangelnde Transparenz bis hin zu sozialen Sicherungsproblemen. Klar ist: Sowohl aus Sicht der Doktorandinnen und Doktoranden als auch aus Sicht der Hochschulen besteht ein Bedarf nach Veränderung. Die aktuellen Reformansätze haben ihren Ausgangspunkt jedoch nicht in einer umfassenden Defizitanalyse und erfolgen bezeichnenderweise nicht im Rahmen mit der Neu-Strukturierung der Personalkategorien oder der Hochschulgesetze, sondern mit Verweis auf den sogenannten Bologna-Prozess. Weiterlesen »

Ist eine Trennung zwischen beruflicher und akademischer Bildung noch zeitgemäß?

von Dr. Ernst Dieter Rossmann

Zunächst das Grundsätzliche: Auch eine akademische Ausbildung ist natürlich in der Regel eine berufliche Ausbildung. Das war im Übrigen schon in den Gründerzeiten der Universitäten so, nur dass sich damals die berufliche Rekrutierung eben ausschließlich auf den Führungsnachwuchs der Kirchen und des Staates bezog. Und spätestens der Bologna-Prozess hat den letzten Illusionisten der vermeintlichen reinen Forschungseinrichtung Universität klar gemacht, dass Universitäten natürlich berufliche Ausbildungseinrichtungen sind. Was an den Fachhochschulen im Übrigen anders gesehen wurde, weshalb es ja auch nur vernünftig ist, dass in der Bachelor-Master-Struktur der Unterschied dieser beiden Hochschultypen prinzipiell aufgegeben ist. Weiterlesen »

Wird die Vertretung nach Statusgruppen der Realität an Hochschulen gerecht oder sind andere (demokratischere) Modelle denkbar?

2. Juni 2010

von Dr. Andreas Keller

Die Idee der modernen Gruppenhochschule ist ein historischer Kompromiss. In der alten Ordinarienuniversität war die akademische Selbstverwaltung das Privileg der ordentlichen Professoren. Als in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts Studierende und AssistentInnen ihre Teilhabe an der Hochschulselbstverwaltung einforderten, wurde zeitweise eine radikale Reform diskutiert: Warum sollten nicht nach dem Prinzip „one person – one vote“ alle Mitglieder der Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden gleichberechtigt mitbestimmen? Weiterlesen »

Der Praxisbezug gehört ins Zentrum der hochschulpolitischen Reformdiskussion!

1. Juni 2010

von Ulf Banscherus

Auf den ersten Blick erscheint die Konfliktlage eindeutig: In den aktuellen hochschulpolitischen Auseinandersetzungen stehen sich „Humboldtianer“ und „Bologneser“ unversöhnlich gegenüber, wobei die letzteren zumeist dargestellt werden als seelenlose TechnokratInnen, die nichts anderes im Sinn haben als unter dem Banner der „Employability“ die ehrwürdige deutsche Universität zu einer verlängerten Werkbank des Berufsausbildungssystems zu degradieren, während sich die ersteren gerne als aufrechte StreiterInnen für die „Freiheit der Wissenschaft“ stilisieren.[1] Der Bildungsstreik wird dann entweder als leicht hysterische Reaktion auf die „Kinderkankheiten“ der neuen Studienstruktur abgetan[2] oder aber zum „letzten Aufgebot“, um die Verschleuderung des ideellen Tafelsilbers der deutschen Hochschulpolitik kurz vor der endgültigen Vermassung doch noch zu stoppen.[3] Weiterlesen »

Studierende und Gewerkschaften können echte Bündnispartner sein!

26. Mai 2010

von Michael Sommer

Das Klischee der angeblich „angepassten Studierenden-Generation“ dürfte mit den Aktionen des „Bildungsstreiks“ vorerst widerlegt sein. Das ist gut so! Auch heute wehren sich Studierende, wenn sie ihre Interessen verletzt sehen. Sie streiten mir kreativen Aktionen gegen eine schlecht gemachte Bologna-Reform, gegen den Turbo-Bachelor, einen eingeschränkten Zugang zum Master und die chronische Unterfinanzierung der Hochschulen. Nicht zuletzt deshalb hat der DGB die Proteste im vergangenen Jahr unterstützt – und er wird auch am 9. Juni 2010 wieder dazu aufrufen. Weiterlesen »

Welche Aufgabe hat Wissenschaft in einer demokratischen Gesellschaft?

25. Mai 2010

von Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin

In der demokratischen Gesellschaft wird Wissenschaft politisch und d.h. öffentlich verantwortet. Die einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen tragen zu einem rationalen Weltbild bei und verändern die gesellschaftliche Praxis. Erkenntnis hat auch um ihrer selbst willen einen Wert. Erkenntnis trägt aber auch zu einer besseren, humaneren Praxis bei. Weiterlesen »

Wozu muss ein Bachelor-Studium befähigen?

20. Mai 2010

Von Swen Schulz, MdB

Studierende können im Studium lebenslange Freundschaften gewinnen und einzigartige Erfahrungen machen. Sie können auch zu Selbstreflektion und kritischer Einschätzungsfähigkeit gelangen und die erlernten Fähigkeiten später in Wissenschaft, Beruf und öffentlichem Leben einbringen. Das problemorientierte Arbeiten und kompetenzorientierte Lernen während des Studiums spielen dabei ebenfalls eine besondere Rolle, sind diese doch auch essentielle Qualifikationen, die im späteren Leben von höchstem Nutzen sind. Unsere Gesellschaft braucht zudem kritische Wissenschaft, um bisher Gedachtes zu überdenken, tradierte gesellschaftliche wie auch wissenschaftliche Prozesse in Frage zu stellen und zu neuen Methoden, Ideen und Wegen zu gelangen. Weiterlesen »

Keine Autonomie ohne Demokratie!

Von Kerstin Rothe

Die Debatte um die Autonomie von Hochschulen wird zu oft als entweder oder diskutiert. Dabei sollte man lieber das „wie“ diskutieren. Denn ohne Autonomie von Hochschulen ist eine kritische Wissenschaft nicht möglich. Weiterlesen »

Was darf Wissenschaft?

Von Jan Krüger

Wissenschaftliches Arbeiten und die Definition von Wissenschaft sind schwer zu definieren. Je nach Fachbereich und Wissenschaftsgebiet wird man auf unterschiedliche Versuche stoßen, den eigenen Gegenstand des Interesses zu beschreiben und zu erklären. Die Frage nach dem einenden, verbindenden Element wird immer den Anspruch an Wahrheit berücksichtigen müssen. Die Verankerung der Freiheit von Forschung und Wissenschaft im Grundgesetz ist nicht zuletzt der Ausdruck, dass der Wahrheitsanspruch von Wissenschaft nicht durch die Steuerung eines anderen gesellschaftlichen Teilsystems wie dem Staat instrumentalisiert werden darf. Weiterlesen »