Von Kerstin Rothe
Die Debatte um die Autonomie von Hochschulen wird zu oft als entweder oder diskutiert. Dabei sollte man lieber das „wie“ diskutieren. Denn ohne Autonomie von Hochschulen ist eine kritische Wissenschaft nicht möglich.
Die neue „Freiheit“ der Hochschulen ist insbesondere durch zwei Tendenzen gekennzeichnet. Auf der einen Seite werden Entscheidungen in den Hochschulen zunehmend autoritär getroffen, d.h. von Hochschulräten und/oder Präsidien und Rektoraten ohne demokratische Beteiligung der Hochschulmitglieder und ihren Gremien. Auf der anderen Seite erleben Wissenschaft und Hochschule eine immer stärkere Abhängigkeit von nichtstaatlichen Finanzierungsquellen. Um den Bedarf zu decken werden beispielsweise Studiengebühren eingeführt, die Forschung zunehmend auf Drittmittel-Akquirierung ausgerichtet oder Hörsäle vermarktet.
Doch brauchen Wissenschaft und Hochschule Autonomie. Es gilt also mehr denn je einen progressiven Ansatz von Hochschul- und Wissenschaftsautonomie zu entwickeln. Zu dieser Diskussion will ich folgende fünf Thesen beisteuern:
- Ohne Autonomie von Hochschulen keine kritische Wissenschaft! Wer frei und kritisch forschen, lehren und lernen will, der muss Inhalte, Form und Zeitpunkte (möglichst) frei selbst bestimmen können. Ein zu großer Einfluss der Politik und vor allem der Wirtschaft stehen dem vielfältigen Forschen außerhalb des Mainstreams unabhängig von politischen Vorgaben und ökonomischen Zwängen entgegen.
- Keine Autonomie ohne Demokratie! In den Hochschulen muss es über die Verwendung von Mitteln einen demokratischen Diskurs geben, an dem alle Statusgruppen gleichberechtigt beteiligt sind. Nur so können die teilweise unterschiedlichen und gegensätzlichen Interessen berücksichtigt werden und die für Wissenschaft notwendige Selbstreflexion und -kritik gewährleistet werden.
- Verantwortung in der Freiheit! Dennoch haben Hochschule und Wissenschaft eine gesellschaftliche Verantwortung. Mit der Implementierung des Projektstudiums könnten Studierende schon während ihres Studiums mit beruflicher Praxis in Kontakt kommen. Aber nicht, um sich an ihren Arbeitsinhalten und –abhalten auszurichten, sondern die Fähigkeiten zu entwickeln, diese zu hinterfragen, zu kritisieren und ArbeitnehmerInnenrorientiert weiterzuentwickeln. Ein Zurück zum Elfenbeinturm kann kein progressiver Ansatz sein.
- Studium als Teil von Wissenschaft begreifen! Autonomie darf dann aber auch nicht beim Betreten des Hörsaals aufhören. Studium ist Wissenschaft und daher müssen auch Studierende mehr Autonomie in Lehre und Forschung bekommen. Wie will ich lernen? Was will ich lernen? Wann will ich lernen? Das sind Fragen, die Studierende als mündige Menschen und angehende WissenschaftlerInnen für sich selbst beantworten können und müssen.
Zur Autorin:
Kerstin Rothe studiert den Master Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin und ist Mitglied im Bundesvorstand der Juso-Hochschulgruppen.
Tags: Autonomie, Demokratie