Von Swen Schulz, MdB
Studierende können im Studium lebenslange Freundschaften gewinnen und einzigartige Erfahrungen machen. Sie können auch zu Selbstreflektion und kritischer Einschätzungsfähigkeit gelangen und die erlernten Fähigkeiten später in Wissenschaft, Beruf und öffentlichem Leben einbringen. Das problemorientierte Arbeiten und kompetenzorientierte Lernen während des Studiums spielen dabei ebenfalls eine besondere Rolle, sind diese doch auch essentielle Qualifikationen, die im späteren Leben von höchstem Nutzen sind. Unsere Gesellschaft braucht zudem kritische Wissenschaft, um bisher Gedachtes zu überdenken, tradierte gesellschaftliche wie auch wissenschaftliche Prozesse in Frage zu stellen und zu neuen Methoden, Ideen und Wegen zu gelangen.
Das sind Kriterien, die nicht minder auch für das Bachelor-Studium gelten. Es gibt eine nicht unbeachtliche Zahl an Studierenden, die nach dem Bachelor-Abschluss den Berufseinstieg suchen. Ihnen muss dieser Einstieg durch die bestmögliche Akzeptanz und Einstufung sowohl in der freien Wirtschaft als auch im öffentlichen Dienst erleichtert werden. Dabei darf die Befähigung zum wissenschaftlichen Arbeiten aber nicht vernachlässigt werden.
Dazu gehört auch die Möglichkeit der freien Selbstentfaltung. Den Studierenden muss auch beim Bachelor so viel Freiheit in der eigenen Entscheidung des Studienwegs gewährt werden, wie dies möglich und sinnvoll ist. Ein Bachelor-Studium mit verschulter Curricula erlaubt keine Freiheit des Geistes, keine Selbstentfaltung und auch keine kritische Reflexion.
Um dies zu ermöglichen, hat auch die Politik ihre Verantwortung zu tragen. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass die notwendigen Freiheiten in der Bologna-Umsetzung entstehen und die Akzeptanz auf dem Arbeitsmarkt gewährleistet wird. Im Öffentlichen Dienst sollte Bachelor-Absolventen der weitere Weg in den höheren Dienst nicht verschlossen bleiben.
Um den Studierenden nach dem Bachelor-Abschluss die größtmögliche Entscheidungsfreiheit zwischen Beruf, Studium und späterem Wiedereinstieg zu gewährleisten, muss auch der Zugang zum Master jederzeit offen bleiben. Wir brauchen eine echte Wahlfreiheit, wann man arbeiten und wann auch wieder lernen und an die Hochschule zurückkehren will. Hier vertrete ich eine weitgehende Position und spreche mich für einen Rechtsanspruch auf ein Masterstudium für alle mit entsprechender Qualifikation aus. So kann der Leistungsdruck im Bachelor-Studium verringert und Rückbesinnung auf das Eigentliche im Studium gefördert werden.
Zum Autor:
Swen Schulz ist Bundestagsabgeordneter und stv. bildungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Er hat seinen Wahlkreis in Berlin-Spandau. Mehr Infos über Swen Schulz und seine Arbeit findet Ihr auf seiner Homepage.
Tags: Bachelor, Bologna-Prozess